So eine Art Familientreffen

Seit neun Jahren findet alljährlich der Rolling Stone Weekender statt. Wiedermal ausverkauft, freuen sich die Festivalgänger auf ein Line-Up, das in diesem Jahr eher enttäuschend ausfällt –  Nur zwei Headliner im Programm: Madness und Glen Hansard.

Freitag, den 3. November ging es los. Man trifft sich vor Konzertbeginn mit anderen Leuten bei Pizza und Bier in der Halle und kommt schnell über das Programm ins Gespräch. Da sind die Reaktionen eher verhalten. Trotzdem freut man sich, die vielen St. Pauli und Altona 93 Fans zu sehen. Auch trifft man viele Gesichter von anderen Festivals wie zum Beispiel vom Roskilde, Herzberg oder XXX Festival. Lächelnd grüßt man sich und  wünscht ein gutes Festival.
Die T-Shirt Träger sind auch wieder present und zeigen was interessiert und provoziert. Ein schöner Kult, weltweit auf Festivals. Das nette hier auf dem Weekender ist, dass ganze Familien mit Kindern kommen, sowie viele Gruppen ganz gemischter Art. Wenn man südlich von Hamburg kommt, ist ja auch allein die Ostsee, mit ihren langen Deichen, ein Spaziergang wert. Was auch viel genutzt wird. Tausende sind auf den Deichen und am Strand. Man fühlt sich sogleich wohl, zumal auch das Wetter dieses Jahr mitspielt, quasi Wellness, Musik und Erholung in Einem!

18.45 Uhr – Jetzt gehts los mit dem ersten Konzert im Witthus, wo die schwedische Band Albert af Ekenstan spielt, der schwedische Philip Poisel, der ebenso näselnd singt wie Poiselt. Fantastisch einfühlend, die ruhige Musik des Sängers, der immer wieder versucht, seine Texte am Anfang zu erklären und damit das Publikum in seinen Bann zieht. Entspannt und relaxed freut man sich mit ihm mit. Wow! – guter Einstieg, finde ich!

Schnell geht es rüber in Richtung Almstage. Die Schlange der Fans ist über 100 Meter lang und geduldig stellt man sich hinten an. Es spielt The Death South, eine Folkband aus Kananda. Der Saal ist proppevoll und draußen warten immer noch über 100 Leute auf Einlass. Die Band, bestehend aus Cellist, der das Cello umgehängt als Gitarre spielt, einer Banjospielerin und zwei Multigitarristen, gibt gleich Vollgas,. Die rauhe musikalische Wirklichkeit geht ab und unter die Haut. Mit rhythmischen Campesino-Tanzeinlagen immer der Wiskyflasche folgend. Die Stimmgewalt und Flexibilität der beiden Sänger ist unerschöpflich. Es sind wirklich nur lächelnde Gesichter im Publikum, welches schwitzend und nur noch mit T-Shirt bekleidet, dankbar ist, für diesen genialen Auftritt der Band!

Hauptact: Glen Hansard
Der irische Straßenmusiker, bekannt geworden durch den Film Once, der weltweit Anerkennung fand und mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.  Schon beim vierten Stück lässt Hansard das Publikum mitsingen. Ein Zeichen, dass die Stimmung herzlich und entspannt ist und auch bleibt. Fünftes Stück: Schon der Erfolgstitel Satisfight me, wo alle leise mitsingen und mitsummen. Traumhaft. Hansard ist ein Super-Entertainer, der seine Songs lebt. Dazu kommt sein Bläsersatz und ein hervorragender Posaunist, der selbst auch noch Lieder solo vorträgt. Es gibt Fans, die die Glen Hansard Tour durchgehend begleiten und alle seine Konzerte besuchen – das ist sonst nur bei Bob Dylan und Goverment Mule bekannt.

Kommen wir zum Ausnahmemusiker Benjamin Brooker, der Blues, Soul und Rock unter einen Hut bringt. Man freut sich über die mediatonalen Spannungen, die sich während der Stücke aufbauen. Leider ist die Akkustik im Baltic-Saal nicht gut, jedoch sind unten vor den Bildschirmen zwei Lautsprecher vom Life-Gig mit guten Sound, sodass man die restlichen Stücke noch genießen kann.

Im großen Festivalzelt spielen dann Spoon. Anfangs denkt man „Na, gut … eine etwas bessere Schülerband“, die dann aber noch von einer Note zur anderen den Musikstil in Psychodelik ändert und damit das Publikum richtig gehend fesselt. Zusammengefasstes Urteil: Diese Band liegt zwischen Ratlosigkeit und Begeisterung!

Dann gleich anschließend kommt die hochgehypte Band Ride. Man erwartet Britpop vom neuen Album. Leider klingt das erste Stück genauso wie das vierte Stück, das sechste oder neunte Stück – absoluter Einheitsbrei, der musikalisch nicht zuzuordnen ist. Schade! Man kann die Musik der Band leicht zu einer musikalischen Tierfilmuntermalung nehmen.

Jetzt schnell zurück in den Baltic-Saal, um Chuck Ragan zu sehen. Auch hier enttäuschend, denn dieser Gig ist eher mit Irish-Pub-Musik vergleichbar, als hörbar.

Zum Glück gibt es zum Abschluss noch Madness die Ska-Band aus London-Nord, die das Publikum allein mit den Outfits begeistert. Von der ersten Minute hat diese Band alles im Griff und textsicher singen alle die Klassiker mit. Der gute Bläsersatz rundet das Konzert ab. Danke!

Letztendlich mit viel Glück und musikalischer Erfahrung war es dann trotz des mäßigen Line-Ups (Hauptgesprächsthema zwischen allen Konzerten), doch ein zufriedenstellendes Festival.

Und eins bleibt sich seit Jahren unbenommen: Die Bratwurst vor dem Hauptzelt ist der Burner.

Bis dann, Mülle!

Foto: Julia Schwendner

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