Wacken 2018

„Ohne Matsch isses kein Wacken.“ Das hört man immer wieder. Auch: „Da regnets ja immer, nä?“ Tatsächlich war das Wetter fast nur die letzten drei Jahre so unterirdisch und sorgte für ein einwöchiges Schlammbad. Die Jahre davor: Top Wetter. Einen kleinen Schauer oder ein norddeutsches Stürmchen mal ausgenommen.Auch ein Fakt der Statistik: Im Jahr vor einem und an dem Jubiläum herrscht Bombenwetter. So also auch bei der Ausgabe 2018, ein Jahr vor der 30sten Ausgabe. Der Headliner war dieses Jahr der Sommer, der zu den Vorjahren wieder eine ziemliche Kehrtwende mit vierfachem Rittberger hingelegt hat. Sonne Satt, jeden Tag über 30 Grad und eine Staubwüste wie im Death Valley. „Wir haben so ein Wetter noch nie gehabt. Aufbau trocken, Festival trocken, Abbau trocken – mehr geht nicht!“ heißt es von Holger Hübner.

Anders als bei anderen Großveranstaltungen dieser Größenordnung wurde auch in Sachen Wasserversorgung nicht gekleckert. Überall auf dem Gelände und vor allem auf dem Infield gab es reichlich kostenlose Wasserstationen, aus denen die knapp 80.000 Gäste so einige Schwimmbadladungen weggesoffen haben dürften. Zwischen drei Bier ist in der Wackensahara nämlich auch mal ein Wässerchen angesagt. Das Gelände glich nach nur wenigen Stunden eher der Mondlandschaft und die Staubmasken aus dem Vorjahr waren das begehrteste Utensil; wenn man Montag wieder eine Stimme haben wollte.


Auch die Polizei und das Rote Kreuz waren erneut mehr als zufrieden. Zwar brauchten über die ganze Woche 3400 Menschen Hilfe vom Rettungsdienst und 150 mussten ins Krankenhaus, aber es gab nix dramatisches und angesichts des Wetters ist auch das völlig im Rahmen. Das gesamte Publikum war „tiefenentspannt“, kleine Brände wurden von den Camps selber gelöscht (es gab kein Grillverbot, Löschsand wurde zusätzlich verteilt), Diebstähle sind von 161 in 2017 weiter auf 77 gesunken, verbunden mit einer Festnahme von 4 mutmaßlichen Dieben am Freitag.


Hier kommt auch das neue Cashless Payment ins Spiel. Es kann jetzt alles mit einer vorher aufgeladenen Karte auf dem Gelände bezahlt werden. So ist bald kaum noch Bargeld (womit man aber weiter bezahlen kann) unterwegs und bei Diebstahl kann man die Karte sofort sperren. Das System funktioniert hervorragend und am Sonntag kann man dann köstlich über sich selbst den Kopf schütteln, was man an Bier und anderem Zeug in sich reingeschüttet hat. Vor allem am Freitag, dem Tag des Bieres, an dem die Wacken Foundation von Becks-Azubis gebrautes Bier ausgeschenkt hat. Restguthaben geht dann auf‘s Konto zurück oder man kann es für verschiedene Zwecke spenden, z.B. Stark gegen Krebs, der Wacken Foundation, Sea Shepherd oder der DKMS.
Erstmals gab es die ESL Arena, wo Gaming im Vordergrund steht. Ein weiteres neues Highlight: Gebärdendolmetscherin Laura M. Schwengber war bei einigen Bands mit auf der Bühne und hat deren Texte gedolmetscht, was wirklich beeindruckend war. Denn Inklusion muss laut sein.


Aus den knapp 200 Acts auf 8 Bühnen kann sich wirklich jeder sein Programm zurechttüddeln. Vorne an Judas Priest in ihrem zweiten Frühling (und das im 49sten Jahr der Bandgeschichte!), Nightwish, ein nicht ganz fitter Danzig, Running Wild, Arch Enemy oder Children of Bodom. Dimmu Borgir fehlte irgendwas, Helloween lieferten 2 ½ Stunden überragendes Vollprogramm mit anschließendem Feuerwerk über der riesigen Faster & Harder Doppelhauptbühne, bei Gojira flogen aufgeblasene Wale durch die Gegend und bei Otto und den Friesenjungs auf der kleineren Louder Bühne war es so voll wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Da waren wohl noch mehr als bei den zeitgleich spielenden In Flames, die ihrem Namen wie immer gerecht wurden und fast das Bühnendach abfackelten.
In Extremo neben Hatebreed, Steel Panther, Cannibal Corpse, Schandmaul, Enslaved, Madball, Long Distance Calling, Watein, Oomph!, Alestorm, Tremonti, Helmet, Fozzy, Epica oder Amorphis. Die Spannbreite ist jedes Jahr enorm. Nackte Oberkörper mit fliegenden Shirts bei Skindred, ein totaler Abriss im Zelt bei Sepultura und alte Helden feiern bei Nazareth, Fischer-Z und Mr.Big.


Man kann sich auch einfach treiben lassen und auch bei den vermeintlich kleineren Acts hängen bleiben, denn all zu oft verbergen sich dort wahre Perlen. Darüber weit hinaus sind bereits Ghost, die Freitag Nacht eine beeindruckende Messe mit Augenzwinkern feierten und weiter ihren Siegeszug feiern. Zu feiern gibt’s auch wieder was beim jährlich stattfindenden Metal Battle, bei dem Bands aus aller Herren Ländern gegeneinander antreten und amtliche Preise abstauben. Dieses Jahr holten Die From Sorrow aus China den Pokal.


Für mich eine der Top Meldungen: Noch nie war das Gelände nach der Abreise so sauber! Bei den Besuchern ist angekommen, dass in Sachen Umweltschutz etwas unternommen werden muss und die Natur so hinterlassen wird, wie man sie beim Aufbau vorfand. Und unter den Camps hat das bis auf wenige Ausnahmen Schule gemacht. Dazu wurden 1,6 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll gerettet, vor Ort verteilt oder der Itzehoer Tafel gespendet. Das rockt Leute! Und kaum ist das Wacken 2018 Geschichte, stehen auch schon die ersten Bands für das 30-jährige Jubiläum 2019 fest. Mit dabei sind: Sabaton, Parkway Drive, Demons & Wizards, Powerwolf, Airbourne, Rose Tattoo, Within Temptation, Meshuggah, Krokus, Dark Funeral, Avatar! Und scheinbar hat auch die Metalmeute nach diesem Sommer-Sonne-Satt-Festival auch wieder Bock, denn nach nur 85 Stunden war die Jubiläums-Ausgabe des W:O:A ausverkauft! See you in 2019. Only Shine!

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